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Geistiger Einstieg zu Ostern – Das seligmachende Halleluja - für Kardinal Joachim Meisner sollte dies die Grundmelodie unseres Lebens sein. In seinem Oster-Gastbeitrag für katholisch.de ruft der emeritierte Erzbischof von Köln dazu auf, sich den Blick auf den österlichen Christus nicht durch Zweifel verstellen zu lassen.

Ostern | Köln - 16.04.2017

"Christus ist auferstanden", so begrüßen sich orthodoxe Christen am Ostertag, und sie antworten darauf: "Er ist wirklich auferstanden". Das ist die wichtigste Botschaft, die der Menschheit geschenkt wurde. Die erste Lebensäußerung eines Neugeborenen Menschen ist ein Schrei: "Ich lebe!". Der Geburtsvorgang gleicht in der Tat dem Todesgeschehen. Die mütterlichen Wehen stoßen das Kind durch das enge Tor des Muttermundes in die Außenwelt. Der erste Aufschrei erweckt zum Leben. Und zugleich erwachen auch die Lust und die Freude am Leben. Außerdem wissen wir heute mehr denn je, dass viele Kinder damit den Sieg über eine neunmonatige Geschichte zum Ausdruck bringen, in der ihnen der Tod oftmals näher war als das Leben.

"Halleluja, er lebt und ich lebe!"

Die erste Lebensäußerung der Kirche vor dem Ostergeschehen ist ebenfalls ein solcher Schrei: "Halleluja, er lebt und ich lebe!". Unser geschlossenes Weltbild von "Werde und sterbe!", vom "Komme und gehe!" ist durchbrochen. Das Wort ist in der Weihnachtsnacht Mensch geworden und in der Osternacht aus dem Tod zum Leben erweckt worden. Sein österliches Leben ist dann auch in uns, weil wir mit dem Auferstandenen in Taufe, Firmung, Buße und Eucharistie in Berührung gekommen sind.

Kardinal Joachim Meisner war von 1989 bis 2014 Erzbischof von Köln. KNA

Das "Halleluja" von Ostern ist die kürzeste Formel des Evangeliums und die Erkennungsmelodie des Christen. Wie das Sonnenlicht im Regenbogen - das heißt in die Spektralfarben -, so ist das "Halleluja" des Osterfestes in die vier biblischen Jubelrufe zu zerlegen: Jubilate, Exsultate, Cantate und Laudate. Sie erschließen den Inhalt des Osterhallelujas. Wir dürfen uns nicht den Blick auf den österlichen Christus durch die vielen "Wenn" und "Aber" verstellen lassen, die nicht nur in der Welt, sondern ganz besonders auch heute in der Kirche aufgebrochen sind. Wir lassen uns von Ostern inspirieren. Zunächst heißt es "Jubilate": Weil Gott der Herr ist, auch über den Tod, kann der Mensch die Angst vor dem Sterben und dem Tod abschütteln. Ostern entlastet und entsorgt den Menschen von der Todesangst. Deshalb kann er aufatmen und Luftsprünge machen, das heißt er kann jubeln: "Gott lebt, und Christus ist auferstanden" - was fehlt uns noch! Vergessen wir das "Jubilate" nicht.

Neben dem "Jubilate" steht im "Halleluja" das "Exsultate". Es zeigt an, dass der Mensch außer sich vor Freude ist und dabei ins Frohlocken kommt, weil Christus und mit ihm auch er selbst auferstanden ist. Das "Exsultate" löst aus Depressionen, die alt und krank machen, weil sie nach rückwärts fehlorientieren in die Auflösung des Karfreitags hinein. Das "Exsultate" bringt die Lösung, indem es uns aus dieser dunklen Vergangenheit entlässt, so dass der Mensch außer sich in die österliche Zukunft Christi gerät.

Dem "Exsultate" fügt sich im "Halleluja" das "Cantate" an. Wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund im Lobgesang und im Lobpreis über. Das österliche Singen macht den Menschen zum Christen. Der Christ singt, also ist er. Worte trennen oder verwunden oft. Das "Halleluja" verbindet und heilt. Im Jahre 430 belagerten die Vandalen die nordafrikanische Bischofsstadt Hippo. Ihr großer Bischof, der hl. Augustinus, lag auf dem Sterbebett. Sein letzter irdischer Trost war eine Nachricht aus seiner Kathedrale, in der zur gleichen Zeit die Osternacht gefeiert wurde. Gerade sang der Lektorenknabe das "Halleluja". Da kam von hinten der feindliche Pfeil eines vandalischen Soldaten und zerstach die Kehle des jugendlichen Sängers. Er konnte das Osterhalluja erst jetzt im Himmel weitersingen. Augustinus weinte vor Freude, dass seine Kirche den Vandalen mit dem "Halleluja" entgegen kam und dass der Vorsänger der Kirche von Hippo mit dem "Halleluja" auf den Lippen im Himmel den nahenden Bischof ankündigte.

Linktipp: Christus ist auferstanden

Schokoeier, Osternest, Osterhase - was den meisten wahrscheinlich zuerst in den Kopf kommt, wenn es um Ostern geht, das hat nur herzlich wenig mit dem zu tun, worum es den Christen bei dem höchsten Fest im Kirchenjahr eigentlich geht.

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Und zum "Halleluja" gehört schließlich auch das "Laudate", der Lobgesang. Der Mensch ist ein Lobender. Entweder lobt er sich selbst oder er lobt Gott. Der Mensch wächst nur für den, den er lobt. Lobt er sich selbst, verwächst und verkrüppelt er in sich selbst. Lobt er Gott, dann wächst er weit über sich hinaus. Ostern zieht mit dem "Halleluja" die Fähigkeit des Menschen auf Christus zu und auf den Auferstandenen hin. Und damit gerät der Mensch über sich selbst hinaus. Er wird österlich weit und groß, weitherzig und großmütig.

Singen wir das seligmachende "Halleluja"

Singen wir das seligmachende "Halleluja". Es sollte der Cantus firmus, die Grundmelodie unseres Lebens sein. In jedem Wort, das wir sprechen, in jedem Ton, den wir singen, sollte ein Partikelchen, ein Stückchen des "Hallelujas" von Ostern enthalten sein. Denn dazu haben wir allen Grund, weil wir wissen, dass Christus die Welt überwunden hat. Warum fürchten wir dann noch so intensiv die überwundene Welt, als wäre sie die Überwinderin? Das ist der Sieg, der die Welt überwindet: Unser Osterglaube!

Von Kardinal Joachim Meisner

 
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